Empathie in der Altenpflege (hier klicken)

Es wird immer wieder von Empathie in der Altenpflege gesprochen. Aber der Alltag in der Pflege ist streng strukturiert, oft ist keine Zeit für Gespräche und einfühlsames Zuhören vorhanden. Da bleibt die Empathie auf der Strecke und wird leider kaum gelebt. Dabei wäre die Beziehungsarbeit zu den zu Pflegenden ein wichtiger Teil der täglichen Arbeit in der Altenpflege.

Neulich habe ich über die Geschichte „der kleinen Prinz“ nachgedacht. Er bereist verschiedenen Planeten bis er schließlich zur Erde findet und unserer Gesellschaft zeigt, worauf es im Leben ankommt: Empathie, Freundschaft und Menschlichkeit. Seine Geschichte ist mittlerweile schon 75 Jahre alt. Doch die zentrale Botschaft ist heute mindestens so bedeutend wie damals: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“.

Pflege findet in Beziehung zu anderen Menschen statt. Die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen, beeinflusst das jeweilige Wohlbefinden. Eine professionelle Kommunikation zeichnet sich, meiner Meinung nach, durch drei Grundhaltungen aus: Empathie, Akzeptanz und Echtheit. Durch sie fühlt sich der Mensch verstanden und angenommen.

Seit 17 Jahren pflege und betreue ich Menschen mit einer Demenzerkrankung. Für Menschen, die in ihrer Welt leben oder gar nicht mehr sprechen können, ist das Hineinfühlen und Erahnen ihrer Bedürfnisse absolut elementar. Doch wie kann ich mich empathisch verhalten, wenn ich die Menschen in möglichst kürzester Zeit versorgen soll?

Der kleine Prinz spricht davon, dass die großen Menschen merkwürdig sind, weil sie ihre Zeit mit Zahlen und unsinnigem Funktionieren vergeuden. In der Pflege wird so viel Zeit für Schreibkram und Bürokratie verschwendet, das kaum Zeit für Gespräche und Zuhören bleibt.

Das ist einer der Gründe, warum ich mich selbständig gemacht habe. Ich freue mich jeden Tag darauf, dass ich Empathie wieder an oberste Stelle setzen kann. Durch eine empathische und mitfühlende Haltung kann ich die Ängste der Menschen verstehen und auf ihre Sorgen eingehen. Zu fühlen, was der andere fühlt und denkt – ganz gleich, wie alt er ist, ob Mann oder Frau, oder welche Krankheit er hat, ist für mich das Allerwichtigste.

Meiner Meinung nach, kann es kein „zu viel“ an Empathie geben. Und das versuche ich jeden Tag aufs Neue umzusetzen.